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Fazit und Forderungen

Der Instrumentenkoffer bietet eine umfassende Sammlung von Empfehlungen für die Gestaltung inklusiver Citizen Science-Projekte. Diese umfassen sowohl theoretische Grundlagen als auch praxisorientierte Handlungsanleitungen. Der Schwerpunkt liegt auf der praktischen Umsetzbarkeit, um deutlich zu machen, dass die Einbindung von Menschen mit Behinderungen in Forschungsprojekte nicht nur notwendig, sondern auch realisierbar ist. Mit gezielten Ansätzen, wie der Bereitstellung von Hilfs- und Assistenzmitteln sowie geeigneten Beratungs- und Informationsangeboten, wird eine gleichberechtigte Partizipation ermöglicht.

Die Handreichung verdeutlicht: Beteiligung von Menschen mit Behinderungen ist nicht nur machbar, sondern auch von unschätzbarem Wert für alle. Partizipation muss die Norm sein – nicht nur für Menschen mit Behinderungen, sondern auch für andere marginalisierte Gruppen: z.B. Menschen mit geringen Deutsch- oder Digitalkenntnissen, Senior*innen oder arbeitslose Personen.

Gleichzeitig erkennen wir an, dass trotz aller Bemühungen Hürden bestehen bleiben können, die nicht immer vollständig überwunden werden. Deshalb stellen wir eine Reihe von Forderungen auf, um die Bedingungen für inklusives Forschen zu verbessern.

Forderungen für inklusive Wissenschaft

1. Umdenken im Fördersystem

Inklusion muss im wissenschaftlichen Fördersystem als grundlegende Voraussetzung verstanden werden, nicht als zusätzlicher „Bonus“. Anfallende Kosten für barrierefreie Maßnahmen dürfen nicht zulasten des Projektbudgets gehen. Vielmehr sollte es Anreize geben, inklusiv zu forschen.

2. Fördertopf für Barrierefreiheit und Inklusion

Ein zusätzlicher Fördertopf für barrierefreie und inklusive Maßnahmen sollte Projekten zur Verfügung stehen. Dieser würde die entstehenden Kosten für barrierefreie Aktivitäten abdecken, ohne das eigentliche Projektbudget zu belasten. So wird inklusives Forschen nicht nur möglich, sondern aktiv gefördert.

3. Anpassung administrativer Hürden bei Aufwandsentschädigungen

Co-Forschende mit Behinderungen stoßen häufig auf bürokratische Hürden bei der Auszahlung von Honoraren und Aufwandsentschädigungen. Diese werden oft auf bestehende Sozialleistungen angerechnet, wodurch der finanzielle Vorteil minimiert wird. Wir fordern die Entwicklung von Modellen, die sicherstellen, dass Entschädigungen auch tatsächlich bei den Forschenden ankommen. Dies könnte durch Änderungen in den Regelungen zur Anrechnung oder durch spezielle Ausnahmeregelungen erreicht werden.

4. Vorlagen für Honorare und Entschädigungen

Forschungseinrichtungen und Förderstellen benötigen klare Vorlagen für die Abwicklung von Honoraren und Aufwandsentschädigungen. Diese sollten sowohl für Co-Forschende mit als auch ohne Behinderungen gelten. Solche Vorlagen könnten die Verwaltung vereinfachen, die Legitimität von Co-Forschung stärken und sie finanziell attraktiver machen.

5. Inklusive Datenerhebung und Open Data-Ökosysteme

Förderprojekte, die sich mit ortsbezogenen Daten beschäftigen, sollten verpflichtend eine inklusive Datenerhebung umsetzen. Dies stellt sicher, dass die Ergebnisse zugänglich und für die Allgemeinheit nutzbar sind. Die Anbindung an bestehende Open Data-Ökosysteme sollte zur Voraussetzung gemacht werden, um eine langfristige Nutzung der Daten zu gewährleisten und ein „Verstauben in der Schublade“ zu vermeiden.

Abschließende Gedanken

Inklusion ist kein Selbstläufer, sondern erfordert gezielte Maßnahmen, Umdenken und Engagement. Mit der richtigen Unterstützung und den hier beschriebenen Ansätzen kann die Partizipation von Menschen mit Behinderungen nicht nur Realität werden, sondern auch die Qualität von Citizen Science-Projekten erheblich steigern. Es liegt an den Förderinstitutionen, Wissenschaftler*innen und der Gesellschaft, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen und Inklusion zu einem festen Bestandteil der Forschung zu machen.