Partizipatives Vorgehen in der Umsetzung eines Citizen Science-Projekts am Beispiel von IncluScience¶
Citizen Science erfordert eine frühzeitige Einbindung von Bürger*innen in den Forschungsprozess, wobei ein hohes Maß an Mitbestimmung und Partizipation angestrebt werden sollte. Diese Prozesse müssen barrierefrei gestaltet werden, um die Beteiligung aller zu ermöglichen. Im Projekt IncluScience wurde ein methodischer Rahmen entwickelt, der Bürgerinnen mit Behinderungen, ihre Repräsentantinnen sowie weitere Stakeholder aktiv und auf Augenhöhe in den Forschungs- und Entwicklungsprozess integrierte. Dadurch wurde ein hohes Maß an Partizipation erreicht, in dem die Beteiligten nicht nur als Datenlieferantinnen, sondern als Co-Designer*innen agierten.
Ein iterativer, partizipativer Ansatz hat sich als zentral für den Erfolg erwiesen. Der im Projekt verwendete methodische Rahmen bestand aus drei Iterationsschleifen, die jeweils vier Schritte umfassten:
1. Bedarfserhebung¶
Der erste Schritt diente der Sammlung und Strukturierung von Bedarfen:
- Desktop-Recherche: Analyse bestehender Barrierefreiheits-Checklisten, um ein grundlegendes Verständnis für das Thema zu gewinnen.
- Online-Workshops mit Betroffenen und Expert*innen: Identifikation von Situationen und Orten, die Barrieren aufweisen, sowie Diskussion darüber, welche Informationen über diese Orte die Teilhabe verbessern könnten.
- Ergebnisse: Die gesammelten Erkenntnisse wurden zu einer „Shortlist“ zusammengefasst, die konkrete Orte (z. B. Hotels, Bahnhöfe, Restaurants, Arztpraxen) und Informationsbedarfe zu Barrieren umfasste.
2. Selektion¶
Nach der Bedarfserhebung wurden die erhobenen Informationen priorisiert:
- Umfragen: Durchführung einer Online-Umfrage und einer schriftlichen Befragung, um möglichst viele Perspektiven einzubeziehen. Ziel war es, Ortstypen und Barrierefreiheitskategorien zu gewichten.
- Workshops: Basierend auf den Umfrageergebnissen wurden spezifische Kategorien in Expert*innenworkshops eingegrenzt und für die technische Umsetzung vorbereitet.
3. Prototyping¶
Die technischen und konzeptionellen Ergebnisse aus den ersten beiden Schritten wurden praktisch umgesetzt:
- Erstellung eines Prototyps: Entwicklung eines Whitelabel-Prototyps, in dem die ausgewählten Kriterien und Ortstypen getestet wurden.
- Nutzer*innen-Feedback: Testdurchläufe durch Nutzer*innen, die Rückmeldungen zu Funktionalität und Inhalten gaben. Der Prototyp wurde iterativ weiterentwickelt und verbessert.
4. Implementierung¶
Der optimierte Prototyp wurde in die Praxis umgesetzt:
- Freischaltung auf der Wheelmap: Der neue Ortstyp wurde öffentlich verfügbar gemacht.
- Datenaufnahme und Mapping Events: Nutzer*innen wurden über verschiedene Kanäle aufgefordert, Daten zu ergänzen – sowohl individuell als auch durch organisierte Veranstaltungen.
Iterative Verbesserungen in drei Schleifen¶
Die vier Schritte wurden in drei Iterationsschleifen durchlaufen, wobei jede Iteration Erkenntnisse aus der vorherigen nutzte. Ziel war es, mit jeder Iteration „besser“ zu werden: Erfolgreiche Ansätze wurden beibehalten, während verbesserungsbedürftige Elemente angepasst wurden.
Dieser iterative Ansatz ermöglichte eine kontinuierliche Optimierung der Ergebnisse und stärkte die aktive Mitgestaltung durch Bürger*innen mit Behinderungen. Das Projekt verdeutlichte, dass partizipative und barrierefreie Prozesse entscheidend sind, um die Potenziale von Citizen Science vollständig auszuschöpfen.