Leichte Sprache¶
Die Möglichkeiten, in einer gemeinsamen Sprache zu kommunizieren, sind essenziell für Partizipation, Inklusion und die gesellschaftliche Teilhabe an Citizen-Science-Projekten. Eine verständliche Wissenschaftskommunikation ermöglicht eine breite Rezeption, Anwendung und Partizipation. Im Kontext von Citizen Science spielen dabei die „Leichte Sprache“ und die „Einfache Sprache“ eine zentrale Rolle.
Einführung: Grundlagen Leichter Sprache¶
Seit den 1990er-Jahren entwickelte sich die Leichte Sprache in Deutschland als eine Kommunikationsform, die Menschen mit besonderen Bedarfen den Zugang zu Informationen erleichtert. Ziel ist die „Verständlichkeitsoptimierung“ (Girard-Groeber & Lichtenauer, 2024, S. 22) von Texten, indem diese auf Satz-, Text- und Wortebene sowie durch Gestaltungselemente wie Typografie und Layout gezielt angepasst werden.
Grundregeln der Leichten Sprache gemäß DIN SPEC 33429:
- Verwendung bekannter Wörter und Vermeidung von Fremdwörtern.
- Sparsamer Einsatz von Pronomen.
- Kurze Sätze ohne Nebensätze, die jeweils nur eine Information vermitteln.
- Vermeidung von Passivkonstruktionen.
- Kurze Absätze mit jeweils einer zentralen Information.
Empowerment und Ziele Leichter Sprache¶
Leichte Sprache verfolgt emanzipatorische und partizipatorische Ziele, die unter anderem folgendes bewirken:
- Direkte Ansprache: Menschen fühlen sich wahrgenommen und willkommen, was ihre Partizipation stärkt.
- Förderung von Kompetenzen: Neue Handlungsräume und Ressourcen werden erschlossen.
- Erleichterte Informationsverarbeitung: Menschen können sich besser am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen.
- Rechte kennen und einfordern: Besonders im Kontext von Sozialhilfe ermöglicht Leichte Sprache das Vertreten eigener Interessen.
- Gestaltung von Lebensbedingungen: Betroffene können ihre Interessen artikulieren und ihre Lebensumstände aktiv mitgestalten.
Einfache Sprache¶
Einfache Sprache ist eine weniger strikte Variante der Leichten Sprache und richtet sich an ein breiteres Publikum. Sie unterscheidet sich durch:
- Verwendung schwierigerer Begriffe und längerer Sätze.
- Weniger strenge Regeln zu Typografie und Layout.
- Fokus auf Übersichtlichkeit.
Einfache Sprache bildet eine Brücke zwischen Standardsprache und Leichter Sprache, bietet jedoch weniger normierte Vorgaben.
Vergleich von Leichter und Einfacher Sprache¶
Leichte Sprache rangiert im Europäischen Referenzrahmen für Sprachen auf Niveau A1–A2, während Einfache Sprache sich zwischen A2 und B1 bewegt. Während Leichte Sprache Menschen mit spezifischen Bedarfen, wie Lernschwierigkeiten, anspricht, zielt Einfache Sprache auf ein allgemeines Publikum ab.
Typografische Gestaltung von Texten in Leichter Sprache¶
Die Gestaltung von Texten, etwa durch Schriftart, -größe und Layout, ist essenziell für die Lesbarkeit und Glaubwürdigkeit von Inhalten. Vorgaben wie die DIN SPEC 33429 bieten inzwischen Orientierung, um eine einheitliche Gestaltung sicherzustellen.
Digitale Barrierefreiheit von Webseiten und Apps¶
Digitale Barrierefreiheit ist eine Grundvoraussetzung für inklusive Citizen Science. Standards wie die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG 2.1) und die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung (BITV) definieren klare Anforderungen, um Webseiten und Apps zugänglich zu gestalten.
Anforderungen an digitale Barrierefreiheit frühzeitig festlegen
Stellen Sie sicher, dass die Anforderungen an digitale Barrierefreiheit bereits in der Planungsphase festgelegt werden. Eine beispielhafte Formulierung, die in Ausschreibungen für Agenturen verwendet werden kann:
„Die Webseite muss barrierefrei nutzbar sein und den Anforderungen gemäß WCAG 2.1 AA entsprechen.“
Vier Grundanforderungen an digitale Barrierefreiheit und Beispiele:¶
- Wahrnehmbarkeit: Alternativtexte für Bilder, damit diese von Screenreadern erfasst werden können.
- Bedienbarkeit: Funktionen müssen per Tastatur nutzbar sein.
- Verständlichkeit: Klare Struktur und einfach formulierte Inhalte.
- Robustheit: Kompatibilität mit Technologien wie Screenreadern.
Indem diese Anforderungen von Beginn an in die Planung und Umsetzung integriert werden, kann digitale Barrierefreiheit ohne zusätzlichen Mehraufwand umgesetzt werden und einen selbstverständlichen Bestandteil inklusiver Projekte bilden.