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Partizipative Forschung planen

Partizipative Forschung geht, wie es der Name bereits vermuten lässt, von Forschungsansätzen aus, die Stakeholder und andere gesellschaftliche und soziale Akteur*innen als Co-Forscher*innen in Forschung, Projekten und anderen wissenschaftlichen Formaten aktiv beteiligen und miteinbeziehen. Dabei wird von einer sogenannten „doppelten Zielsetzung” gesprochen. Zum einen durch die bereits angeführte Beteiligung von Akteur*innen als Co-Forscher*innen, zum anderen durch das Empowerment, indem die Co-Forscher*innen selbst befähigt und ermächtigt werden (vgl. Unger, 2014, S. 1).

Partizipative Forschung zeichnet sich zudem als Forschungsstil und nicht als einheitliche Methodologie aus. Demzufolge basiert partizipative Forschung auf verschiedenen partizipativen Ansätzen, die je nach Kontext, (Wissenschafts-)Disziplin, (Arbeits-)Feld und Raum unterschiedlich ausgerichtet sind. Hier einige Beispiele:

  • Wihofszky, P.; Wright, M. T.; Hartung, S. (2020). Partizipative Forschung. Springer Nature.
  • Unger, H. (2014). Partizipative Forschung. Einführung in die Forschungspraxis. Wiesbaden: Springer Fachmedien.
  • Gillitzer, S.; Thienel, C.; Duda, A.; Renner, J.; Hornberg, C. (2023). Partizipative Forschung mit Menschen mit Behinderungen. Prävention und Gesundheitsförderung, Vol. 18, Heft 1, S. 50–59.
  • Bär, G.; Kasberg, A.; Geers, S.; Clar, C. (2020). Fokusgruppen in der partizipativen Forschung. In: Hartung, S.; Wihofszky, P.; Wright, M. (Hrsg.): Partizipative Forschung. Wiesbaden: Springer VS, S. 207–232. Verfügbar unter

Im historischen Blick zeichnet sich zudem eine Verbindung zu den Traditionen der im angloamerikanischen Raum verbreiteten „Action Research“ (geprägt durch Kurt Lewin in den 1940er-Jahren) bzw. der Aktionsforschung aus den 1970er-Jahren ab. Die Aktionsforschung rückte jedoch mehr Aktionismus/Aktivismus in den Vordergrund, während in der partizipativen Forschung Partizipation, Beteiligung und Teilhabe vorrangig seien (Unger, 2014, S. 3).

Mehr zur Aktionsforschung kann dabei hier nachgelesen werden:

  • McNiff, J. (2013). Action Research. Routledge.
  • Wöhrer, V. (2017). Partizipative Aktionsforschung mit Kindern und Jugendlichen. Wiesbaden: Springer VS.

Aus der Tradition der Aktionsforschung entstanden vielfältige weitere Ansätze:

Participatory Action Research

Fokus auf die Beteiligung von Akteur*innen aus verschiedenen Kontexten, während die Forscher*innen und Wissenschaftler*innen vielmehr eine Beratungsfunktion innehaben.

Participatory Research Practices

Insbesondere marginalisierte Akteursgruppen werden hier an Forschungsprozessen beteiligt, um Emanzipation oder soziale Gerechtigkeit als übergeordnete Ziele zu erreichen.

Community-Based Participatory Research

Diese Form basiert auf dem Einbezug von Communities in allen Phasen des Forschungsprozesses, wobei Empowerment und Kompetenzentwicklung an zentraler Stelle stehen.


Weiterführende Literatur:

Methodenliteratur zu Participatory Action Research:

  • Chevalier, Jacques M. (2019). Participatory Action Research. Routledge.
  • Bradbury, H. (2015). The SAGE Handbook of Action Research (3. ed.). London: Sage.
  • Loewenson, R.; Laurell, A. C.; Hogstedt, C.; D’Amruoso, L.; Shroff, Z. (2014). Participatory Action Research in Health Systems. A Methods Reader. Hrsg. von EQUINET. Online verfügbar
  • Wilson, E.; Kenny, A.; Dickson-Swift, V. (2018). Ethical Challenges in Community-Based Participatory Research: A Scoping Review. Qualitative Health Research, 28(2), S. 189–199. DOI: 10.1177/1049732317690721

Methodenliteratur zu Participatory Research Practices:

  • Nared, J.; Bole, D. (2020). Participatory Research and Planning in Practice. Springer.
  • Vaughn, L. M.; Jacquez, F. (2020). Participatory Research Methods – Choice Points in the Research Process. Journal of Participatory Research Methods, 1(1). DOI

Methodenliteratur zu Community-Based Participatory Research:

  • Glaß, K. (2021). Lernergebnisse aus transferorientierten Lehrprojekten. Eine Untersuchung des Community-based-Research-Ansatzes.
  • Durham Community Research Team (2011). Community-based Participatory Research: Ethical Challenges. Online verfügbar
  • Jagosh, J.; Macaulay, A.; Pluye, P.; Salsberg, J.; Bush, P. L.; Henderson, J. et al. (2012). Uncovering the Benefits of Participatory Research: Implications of a Realist Review for Health Research and Practice. In: The Milbank Quarterly, 90(2), S. 311–346. Online verfügbar
  • Wallerstein, N. D.; Oetzel, B.; Minkler, J. G.; Meredith, M. (2018). Community-based participatory research for health: Advancing social and health equity (3. ed.). Hoboken, NJ: Jossey-Bass & Pfeiffer Imprints, Wiley.

Insgesamt gibt es eine Vielzahl an Ansätzen, die an dieser Stelle jedoch nicht alle angeführt werden können. Wer Interesse an weiteren Ansätzen hat, dem wird die Literaturübersicht des Aktionsforschers Bob Dick empfohlen:

  • Dick, Bob (2004). Action research literature: Themes and trends. In: Action Research, 2(4), S. 425–444.