Inklusion¶
Aufmerksamkeit erlangte der Inklusionsbegriff erstmals in den USA während der Behindertenbewegung in den 1970er Jahren. Dabei wurde Inklusion als gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die Teilhabe aller in der Gesellschaft zu ermöglichen, betrachtet. Inklusion bezog sich daher nicht ausschließlich auf die Personengruppe Menschen mit Behinderungen, sondern vielmehr auf alle Minderheiten (Senior*innen, Personen mit Migrationshintergrund etc.). Inklusion und Diversität greifen gemäß dieses Inklusionsverständnisses folglich ineinander. Dies wird insbesondere durch die Ratifizierung der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen (UN-BRK) adressiert, bei der Inklusion explizit „die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und Einbeziehung in die Gesellschaft“ (vgl. UN-BRK, Art. 3c) sowie „die Achtung vor der Unterschiedlichkeit von Menschen mit Behinderungen und die Akzeptanz dieser Menschen als Teil der menschlichen Vielfalt und der Menschheit“ (vgl. UN-BRK, Art. 3d) meint. Mehr aus der abgestimmten, deutschsprachigen Übersetzung der UN-BRK kann hier nachgelesen werden: UN-BRK-Übersetzung.
Im Weiteren wird Inklusion oftmals im Zusammenhang mit Integration erwähnt, obwohl beide Begriffe strikt voneinander abzugrenzen sind und nicht dasselbe bedeuten. So wird unter Integration der Einbezug marginalisierter Personengruppen in ein bestehendes System (z. B. Bildung, Sport, Kultur) verstanden. Damit einher geht jedoch, dass sich der entsprechende marginalisierte Personenkreis dem System anpassen muss, um an diesem teilhaben zu können. Integration setzt daher das „Anderssein“ und den Ausschluss der marginalisierten Personen voraus. Außerdem wird nur dann von einer erfolgreichen Integration gesprochen, wenn sich die Minderheit der Mehrheit anpasst. Dieses Verständnis wird durch Inklusion abgelehnt, indem marginalisierte Personen in ihrer (kulturellen, sozialen) Vielfalt anerkannt und wertgeschätzt werden. Marginalisierte Personen müssen sich daher nicht mehr dem System anpassen, da es sich diesem flexibel anpasst. Die Teilhabe aller Personen ist im Inklusionsverständnis somit zentral – ungeachtet kultureller, sozialer oder ethischer Faktoren. Dementsprechend haben Ausgrenzung und Stigmatisierung in einem System, das Inklusion lebt, keinen Platz – sie werden durch Diversität ersetzt.
Eine grafische Darstellung des Unterschieds zwischen Integration und Inklusion hat Aktion Mensch entwickelt: Integration vs. Inklusion.
Weitere Definitionen von Inklusion¶
- Definition des Deutschen Institut für Menschenrechte (2016)
- Das Rehadat-Lexikon bietet ebenfalls Informationen zum Begriff „Inklusion“. Die Artikel lassen sich auch in einfacher Sprache anzeigen.